Für den gebürtigen Insulaner Ingo Gebhard ist Wangerooge eines seiner Lieblingsmotive.
"Wangerooge ist meine Heimat", sagt Ingo Gebhard. Nur diese vier Worte braucht er, um seine Faszination für diese, seine Insel zu erklären. Typisch norddeutsch eben. Wangerooge habe ihn natürlich auch geprägt und so spielen im Oevre des Fotografen die Nordsee, ihre Inseln und ihre Menschen eine wichtige Rolle. ![]()
Immer wieder kehrt er aus Berlin, wo er seit über drei Jahrzenten lebt und als freiberuflicher Fotograf und Künstler arbeitet, zurück nach Wangerooge. Nicht nur, weil seine Familie hier lebt, sondern auch zum Fotografieren. Denn das ist seine Passion, die er nach zunächst kaufmännischer und sozialpädagogischer Ausbildung 1997 zu seiner Profession gemacht hat. "Ich bin so ungefähr acht bis zehn Mal im Jahr auf Wangerooge“. Dann verbinde ich Familie und Fotografie. Wenn das Licht gut ist muss ich einfach fotografieren." Im Gebäude der Kurverwaltung, direkt an der Strandprommenade, habe er sich ein kleines Fotostudio einrichten dürfen, was sehr komfortabel sei. Denn sein Licht- und Zubehörequipment sei ziemlich umfangreich und nicht gerade klein und leicht und so bräuchte er sie nicht so weit hin und her zu schleppen. Denn derzeit arbeitet Gebhard an einem neuen Buchprojekt. "Im Schatten des Westwindes" lautet der Arbeitstitel und für die Fotos will Gebhard Menschen und Landschaft in einen Kontext setzen, der sich durchaus auch einer surrealen Bildsprache bedient. "Das sind sehr aufwendige Aufnahmen, für die passende Szenerien entwickelt werden müssen."
Als Profi fotografiert Ingo Gebhard aber nicht nur die raue Nordsee, auch wenn die natürlich sein Lieblingsmotiv ist. Auch Werbefotografie und Porträtfotografie gehören dazu, genauso wie Stadtmotive oder Modefotos. Fotoreisen führten ihn nach New York, Asien, Australien, Karibik, Mittelamerika auf die Kanaren, nach Südafrika, Portugal, Spanien oder Italien. Dabei entstanden etliche Kunstfotografien welche in Kunstgalerien gezeigt werden oder auch in Kunstkartenform, Büchern oder Kalendern gedruckt werden und für die Gebhard unter anderem zweimal mit dem Buch-Award der ITB ausgezeichnet wurde. Hinzu kommen diverse Preise für Fotografie und Design. ![]()
Doch die Nordsee lässt ihn nicht los, am liebsten zieht er mit seiner analogen Großformat-Kamera los an den Strand, wenn alle anderen ihn fluchtartig verlassen. Also bei Sturm und Schietwetter, wie der Norddeutsche dazu sagt. Wenn die Wolken förmlich am Himmel galoppieren, wenn der Sand im Sturm zum Sandstrahlgebläse wird und wenn das Meer mit schäumender Gischt und großem Getöse auf den Strand donnert. Dann nimmt sich Gebhard viel Zeit, denn es ist nicht einfach der Moment, den er festhalten will, es ist die Bewegung, die Entwicklung und Veränderung – es sind quasi hunderte Einzelmotive, die er mit Hilfe einer ultralangen Belichtungszeit in einem Bild sichtbar macht. Bis zu 45 Minuten ist die Blende dann offen. "Ich möchte die Zeit visualisieren", sagt Gebhard. Die Zeit, sie legt sich auf Gebhards Fotografien wie ein Schleier aus Nebel über die dadurch mystisch wirkende Szenerie.
Sie zerfließt zwischen Himmel und Erde, hüllt die statischen, unbeweglichen Bildelemente in ein diffuses, unwirkliches Licht und glättet mitunter auch die Wellen zu seidig schimmernden Wasserflächen. Trotz tosender Elemente strahlen die Fotografien eine unglaubliche Ruhe und Kraft aus und sind einfach zeitlos schön.
Von Walburg Dittrich